Interview auf stadionwelt.de
Stadionwelt: Erzähl mal kurz etwas zu der Saison aus Sicht eines KFC-Fans. (Zuschauer auswärts etc.)
Die zweite Saison für den KFC in der Oberliga ist gerade vorbei, nun steht der Club vor einer seiner wichtigsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte. Man muss unter die ersten Vier gelangen, um in die neuformierte Regionalliga aufzusteigen, andernfalls würde man in die NRW- oder Verbandsliga absteigen. So komisch diese Reformerei auch ist, ändern können wir nichts dran und blicken daher nach vorne, um alles für unseren Club zu geben. Es ist natürlich bitter, wie weit es um unseren KFC geschehen ist, aber haben den Glauben an bessere Zeit noch längst nicht aufgegeben. Man spürt es als Fan irgendwie, was an jenen Spieltagen passiert. Man ahnt bereits vorher, ob 1000 Leute mit nach Wegberg-Beeck fahren oder bloß 100 nach Wuppertal. Zu Beginn jeder Saison gibt es in Uerdingen eine Aufbruchsstimmung, der Kader mag noch so dünn besetzt sein. Allerdings hängt es spätestens nach der Winterpause wieder vom Erfolg ab, wie voll das Stadion ist.

Stadionwelt: Gab es in der doch eher unattraktiven Oberliga wirkliche Highlights?
Nun ja, an die Zweitvertretungen der Profiteams sind wir ja schon aus der Regionalliga gewöhnt, allerdings durften wir dank ihnen erstmals erfahren, wie es in den Arenen aussieht. Nach Mönchengladbach und Duisburg reisten jeweils 1000 Uerdinger mit. Es sind mehr neue Erfahrungen, die man in der Oberliga mitnimmt. Wie es z.B. ist irgendwo auf einem Dorfplatz zu spielen oder bei den Heimspielen keine oder sehr wenige Auswärtsfans anzutreffen. Das drückt schon die Stimmung. Dennoch gibt es Vereine wie Solingen, die eine lange Tradition haben und bei denen man weiß, dass in ihrer Kurve Potential steckt. Dem gegenüber stehen Vereine wie Kleve oder Bonn, die auf Teufel komm raus versuchen etwas zu reißen, aber denen man ansieht, dass sie wenig Ahnung haben. Mit Oberhausen stieg vergangene Saison ein Verein ab, dessen Anspruch und Umfeld mit unserem vergleichbar ist. In der Oberliga ein Highlight, in der Regionalliga nichts besonderes mehr...

Stadionwelt: Kann sich eine Fanszene in der Viertklassigkeit überhaupt weiterentwickeln? Stichwort: Nachwuchs, Szene allgemein
Wir finden, dass die Oberliga für uns ein Neuanfang war. Gerade hier konnten wir uns weiterentwickeln, da sich der Kreis der Aktiven wirklich nur noch auf die Leute beschränkt, die mit dem Herzen dabei sind. Man hat sich keineswegs zurückentwickelt, im Gegenteil, wir sind ein weites Stück vorangekommen. In der Regionalliga ist man als Fan an einer bestimmten Stelle stehen geblieben. Irgendwie schauen jetzt viel mehr Leute über den Tellerrand und können auch weitere zu Taten in der Fanszene animieren. Allerdings darf dies kein Dauerzustand sein, man ist dennoch hungrig auf die Spiele gegen Vereine mit weitaus mehr Fanpotenzial, als das was wir in der Oberliga zu sehen bekommen. Man kann sagen, dass man die Oberliga nutzt, um sich richtig für die Regionalliga zu rüsten beziehungsweise heiß zu machen.

Stadionwelt: Die Blue Red Army hat kürzlich ihren fünften Geburtstag gefeiert. Wie genau?
Also zunächst haben wir mit den Vorbereitungen im November begonnen, indem wir uns Gedanken um Aktionen machten, die wir mit neun Mann verwirklichen können. Natürlich hätten wir eine Choreo oder sonstwas aufziehen können, auch wenn es mit neun Leuten schwerer zu realisieren ist und die Kosten da auch noch eine große Rolle spielen. Aber das ist irgendwie nicht das Ding des Kollektivs Blue Red Army. Zum Auswärtsspiel im März in Bergisch Gladbach setzten die Ultras Krefeld drei Busse ein, die größtenteils vom Erlös des Fußballturniers im Januar gedeckt wurden. Da dieses Spiel das nächste nach dem Geburtsdatum der BRA war, einigten wir uns dorthin eine Mottofahrt zu machen. Sie stand unter dem Motto "Old School Uerdingen" und wir neun zogen mit Trikots, Jogginghosen und Pornobrillen los. Wir boten aber noch mehr für´s Auge. Wir stellten innerhalb von zwei Wochen ein Magazin anlässlich unseres Geburtstag auf die Beine, das wir in den Bussen kostenlos verteilten. Allerdings wartete das größte Ereignis noch auf uns, die Party! Nach langem hin und her erhielten wir die Zusage für den 6. Juni in einem alternativen Club in Krefeld. Da wir den Termin nun feststehen hatten, konnten wir nun mit den Bands planen und die Werbung starten. Es spielten The Slashing Fabs aus Krefeld, sowie die Lumpen aus Cosenza(Italien) und die Polnischen Jungs, die den Anlass nutzten einen KFC-Rap auf die Beine zu stellen. Es waren rund 200 Gäste anwesend, unter ihnen Uerdinger, aber auch Bekannte aus Düsseldorf sowie viele private Freunde und Bekannte.

Stadionwelt: Erzähl bitte etwas zur Blue Red Army.
Die Blue Red Army gründete sich im Jahr 2002 als Abkopplung der damaligen Uerdinger Jungz, deren restliche Mitglieder leider nicht mehr aktiv im Stadion sind. Einer der Gründe der Trennung war demnach die Passivität der einen und der Reiz etwas aufziehen zu wollen der anderen. Aktiv zu sein bedeutet für uns allerdings nicht jedes Spiel eine Choreo zu sehen oder so. Wir sehen da auch ganz andere Aktionen, die uns als Teil der aktiven Fanszene ausmacht. Wir reisen zu jedem Spiel, supporten aktiv mit und sind immer anzusprechen. Aber zwischen den Spieltagen tut sich bei uns stets was. Da ein Teil von uns auch Mitglied bei den Ultras Krefeld ist, versteht sich das auch von selbst.

Stadionwelt: Der KFC gilt als Verein, der nicht die meisten Zuschauer hat, sich dafür aber viele Leute, verhältnismäßig mehr als anderswo, am Support beteiligen. Stimmt das?
Wow, das ehrt uns. Aber ohne Grund scheint dies bei euch ja nicht durchgedrungen zu sein. Die Mischung machts, würde ich mal sagen. Egal ob Hool, Ultra, Kutte, in Uerdingen sieht man seit Jahren stets dieselben Gesichter, man kennt sich, man trinkt ein Bier zusammen. Durch das Internet findet auch sehr viel Kommunikation zwischen den Fans statt, gerade die Internetforen dienen da schon seit Jahren als Basis. Viele Ideen für Aktionen oder sonst was werden dort diskutiert und dadurch viele Leute zum Mitmachen animiert. Das Wir-Gefühl in Uerdingen ist ganz groß. Klar, es gibt auch öfters Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten, aber diese geraten komischerweise sehr schnell in Vergessenheit und lassen uns auf das eine besinnen: Gemeinsam für Uerdingen 05.

Stadionwelt: Welche anderen Gruppen sind derzeit in Uerdingen aktiv?
Es gibt in Uerdingen die Ultras Krefeld, die als Dachverband aller aktiven Fans dienen. Auch einige unserer Mitglieder wirken bei den Ultras mit, daher können wir einen kleinen Einblick in diese Gruppe liefern. Der Abstieg in die Oberliga wirkte sich leider auch auf die Zuschauerzahlen aus und auch die Ultras Krefeld standen vor einer ihrer schwersten Spielzeiten. Ein Generationswechsel hatte stattgefunden und es wurde total umstrukturiert. Während man in der Regionalliga beispielsweise noch passive Mitglieder zuließ, gibt es derzeit nur aktive. Aber auch die Arbeit um den Fannachwuchs wurde intensiviert und schlägt langsam Wurzeln. Neben uns und den UK´s gibt es noch einige aktive Fangruppen in Uerdingen, die sich allerdings mehr in ihrem Kreis bewegen. Wir versuchen immer die ganze Fanszene anzusprechen und es gelingt uns auch immer besser. Man muss aber zudem betonen, dass diese Szene recht überschaubar ist und man sich untereinander kennt, was die Kommunikation recht vereinfacht. Es gibt sehr viele Leute, die keiner Gruppe angehören, sich aber häufig an Aktionen beteiligen.

Stadionwelt: Eine Zeitlang sorgte der Grotifant für KFC-Schlagzeilen. Mittlerweile ist es um das Maskottchen des KFC eher ruhig geworden.
Nachdem der Grotifant einige Zeit von der Bildfläche verschwand und die Sache einzuschlafen drohte, fand sich jemand der sich an den Spieltagen zur Verfügung stellte, in das Kostüm unser Maskottchens zu schlüpfen. Wir alle waren froh, dass der Grotifant wieder auflebte, denn auch er gehört zur Tradition unseres Clubs. Irgendwann kam dann das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf im Arag-Pokal, bei dem paar Nasen aus Düsseldorf den Platz stürmten und auch Jagd auf unseren Grotifanten machten. Dieser geriet dadurch etwas unfreiwillig in die Schlagzeilen. Die Düsseldorfer feiern sich darauf und provizieren den Grotifanten recht gerne. Aber den eigentlichen Zweck, den eines Maskottchens, geht der Grotifant natürlich primär nach. Die kleinen Fans freuen sich, wenn sie im mal die Hand geben dürfen und wir haben stets was zu lachen.